Brauche ich wirklich eine mobile Version meiner Webseite?

Der Trend ist eindeutig: immer mehr Nutzer surfen mit mobilen Geräten. Damit einhergehend wird Webseitenbetreibern empfohlen eine mobile Version der Webseite zur Verfügung zu stellen. Zwei grundlegende Varianten dafür sind eigenständige Seiten, die zum Teil besonders aufbereitete Inhalte bereitstellen oder die rein optische Anpassung mittels Responsive Webdesign. Aber macht die Erstellung einer mobil optimierten Webseite wirklich Sinn

Der neue Trend und die damit veröffentlichen Statistiken spielen viele Agenturen und Webdesignern in die Karten. Den Kunden können neue Dienstleistungen angeboten werden und die Medienöffentlichkeit zum Thema erleichtert es, die Inhaber der Seiten zu überzeugen. Dieser Artikel soll Webseitenbetreibern bei der Entscheidungsfindung helfen und betrachtet einige wichtige Kriterien.

Status Quo – Neue Webseite oder Anpassung

Um eine Entscheidung treffen zu können, muss zunächst geklärt werden, ob bereits eine Webseite besteht oder ob ein neues Projekt ins Leben gerufen werden soll.

Entscheidung auf Basis von Kennzahlen

Bei einem bestehenden Internetauftritt mit angeschlossenem Tracking (z.B. Google Analytics oder eTracker) empfiehlt es sich, zunächst die Statistiken aufzurufen. Die Kennzahlen zu den aufrufenden Endgeräten und Auflösungen zeigen eindeutig, wie viele Besucher tatsächlich die eigene Seite mit einem mobilen Gerät betrachten.  Natürlich ist die Anzahl der Besucher insgesamt nicht zu vernachlässigen – prozentual lässt sich aber dennoch ein Trend erkennen. Mit etwas gesundem Menschenverstand lässt sich an den Zahlen ableiten, inwiefern eine mobile Version der Webseite sinnvoll ist und sich die daraus resultierenden Kosten amortisieren.

Die Abbildung zeigt beispielhaft die Analytics-Daten einer Webseite für den Bereich der mobilen Endgeräte. Insgesamt ist der Anteil mit etwas mehr als 10% noch relativ gering. Die Positionen 2 -4, die auf Smartphones zurückschließen lassen, machen einen noch geringeren Teil aus. Für eine mobile Optimierung spielen Smartphones damit eine etwas untergeordnete Rolle. In dem speziellen Fall sind die angebotenen Inahlte auch weniger für “echte” mobile Nutzer interessant.

Hinweis: Ist eine responsive Lösung angedacht, dann zieht auch das Argument nicht, dass die mobil optimierte Seite bessere Ergebnisse in den Rankings erzielt. Die für die Suchmaschinen zugrunde liegenden Daten basieren in dem Fall auf demselben Datenbestand.

Reichen Statistiken allein als Entscheidungshilfe?

Die reinen Kennzahlen allein sind aber nicht immer ausschlaggebend und speziell, wenn vielleicht noch zu wenige Daten zur Verfügung stehen, erschwert sich die Entscheidung. Der folgende Abschnitt dieses Artikels sollte auf jeden Fall auch für bestehende Projekte in Betracht gezogen werden.

Neues Projekt und keine Erfahrungen vorhanden

Etwas komplizierter wird es, wenn noch keine Tracking-Daten vorhanden sind, anhand derer der Nutzen abgeleitet werden kann. Aber auch hier muss nicht auf ein Bauchgefühl gehört oder blind dem Webdesigner vertraut werden.

Mobil ist nicht gleich Mobil

Sowohl Tablets als auch Smartphones fallen grundsätzlich in den Bereich der mobilen Endgeräte und werden so auch in den Tracking-Ergebnissen aufgeführt. Der Kontext, in dem die Nutzer die Geräte nutzen ist aber unterschiedlich und des Weiteren haben die Geräte unterschiedliche Auflösungen, die zu beachten sind.

Auf Tablets werden Webseiten, die nach aktuellen Standards erstellt wurden, nach eigenen Erfahrungen sehr gut dargestellt, ohne dass große Anpassungen nötig sind. Bei Smartphones verhält es sich schon anders. Ohne in die Seite hinein zu zoomen, ist bei einer nicht optimierten Seite die Navigation mit dem Finger oft nur schwer möglich. Eine Anpassung kommt an der Stelle schon eher in Frage.

Dass Nutzer im „echten“ mobilen Kontext meist andere Erwartungshaltungen bzw. Anforderungen gegenüber den angebotenen Inhalten haben, soll an dieser Stelle wenigstens erwähnt, aber nicht weiter darauf eingegangen werden.

Zielgruppen im mobilen Kontext

Zu wissen, welche Endgeräte die Besucher der Webseite nutzen ist ein weiterer wichtiger Aspekt für eine Entscheidung für bzw. gegen eine mobile Webseite. Es empfiehlt sich also, aus den (potentiellen) Kunden/Besuchern der Seite Zielgruppen abzuleiten und diesen die Art der mobilen Nutzung zuzuweisen. In dem Fall kann leichter entschieden werden, welche Anpassungen ggf. nötig sind. Ohne konkrete Daten aus dem Website-Tracking oder Umfragen in den anvisierten Nutzergruppen hilft ein kritischer Blick auf die eigenen Angebote bzw. die Brache, in der der Anbieter tätig ist.

Kritisches Hinterfragen der eigenen Angebote

Ein kleines Beispiel soll an dieser Stelle zum besseren Verständnis beitragen. Nehmen wir zum Beispiel einen Weinhändler mit angebundenem Webshop und einen Steuerberater.

Verschiedene Analysen (vorerst noch in den USA) haben hervorgebracht, dass zum Beispiel immer mehr Kunden in Geschäften nach günstigeren Alternativen suchen. Sieht man einmal von nativen Apps zum Preisvergleich ab, so kann an der Stelle ein Weinhändler mit einer angepassten Webseite für Smartphones sicher schneller punkten. Aber auch auf dem heimischen Sofa kann der Weinhändler mit einer optimierten Version unter Umständen eher eine Conversion erwarten. Ein mögliches Szenario hier: In einer Kochsendung werden Weinempfehlungen zum Gericht angeführt und diese werden schnell über das Tablet im Netz gesucht. Wie anfangs schon erwähnt, werden die meisten Webseiten auf Tablets auch ohne direkte, mobile Anpassung recht gut dargestellt. Wenn aber eh eine Version für Smartphones erstellt wurde, ist eine weitere Anpassung für Tablets mit relativ geringem Mehraufwand umsetzbar.

Im Gegensatz zum Weinhändler ist bei einem Steuerberater wohl mehr von stationären Besuchern auszugehen. Es ist eher unwahrscheinlich, dass potentielle Kunden von unterwegs nach einem Steuerberater oder Steuertipps suchen – oder haben Sie schon Mitmenschen in Ihrer Umgebung gesehen, die im Bus oder am Strand ihre Steuererklärung ausfüllen? Noch eher wahrscheinlich sind Besucher, die mit Tablets auf die Seite gelangen. Diese wollen sich sicher über die angebotenen Leistungen vorinformieren und sind auf der Suche nach einer neuen Kanzlei oder zielgerichtet nach Aussagen zu bestimmten steuerlichen Problemstellungen.

Fazit

Mobil ist ohne Frage ein wichtiges Thema und kann richtig umgesetzt zu zufriedenen Besuchern und auch höheren Konversionen führen. Neben der reinen Darstellung kann die Optimierung aber auch auf die Inhalte bezogen sein oder bei Shops zum Beispiel in angepassten Check-Out-Prozessen oder optimierten Navigations-Konzepten.

Man sollte aber nicht blind jedem Trend folgen und zu allem Ja und Ahmen sagen, was der eigene Webdesigner/die eigene Agentur einem zu diesem Thema vorschlägt. Mit der ein oder anderen kritischen Hinterfragung können schnell Pro und Contra für eine mobile Version der eigenen Webseite gefunden werden. Der wirtschaftliche Nutzen darf an dieser Stelle sicher nicht in Vergessenheit geraten.

Anbietern mit minimalen Besucherzahlen (<500/Monat) dürfte wahrscheinlich erst einmal mehr geholfen sein, wenn das Budget für eine mobile Ausrichtung in die Erstellung neuer, einzigartiger Inhalte fließt, so dass die Gesamtbesucherzahl gesteigert werden kann. Wobei auch das sicher von der Branche und der jeweiligen Zielgruppe abhängt.

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3 dachten über “Brauche ich wirklich eine mobile Version meiner Webseite?

  1. Sehr schöner Beitrag, der mir geholfen hat, einen wichtigen Unterschied zwischen mobiler Optimierung und Responsive Web Design zu verstehen: Mobile Optimierung bedeutet eine eigene Page mit eigenem Code; bei Responsive wird der ursprüngliche Code angepasst ausgelesen, sodass sich die optische Erscheinung je nach Endgerät unterscheidet.

    Wie sehen Sie das Thema Ladezeiten bei mobiler Optimierung und Responsive? Mir wurde gesagt, bei Responsive sei der Nachteil, dass alle Elemente geladen werden müssen (selbst wenn sie verborgen bleiben), sodass Ladezeiten und Traffic sehr hoch ausfallen.

    Man riet mir daher für einen Shop zu einer Optimierung, die letztlich auf eine Hybride App abzielt.

  2. Hallo Benjamin,

    an sich hast du recht, bei einer responsiven Webseite werden an sich auch Elemente geladen, die unter Umständen nicht angezeigt werden. Aus diesem Grund wird je nach Projekt auch der Ansatz “Mobile first” verwendet. Für die Desktop-Version besteht dann die Möglichkeit zusätzliche Inhalte, die für den mobilen Bereich nicht geeignet sind, via JavaScript nachzuladen.

    Es gibt auch einige Ansätze für Responsive Images. Leider gibt es bislang noch kein natives Bildformat dafür. Aber es gibt Techniken, mit denen entweder severseitig Bilder in der passenden Größe ausgeliefert oder mit Hilfe von JavaScript die Dateipfade entsprechend angepasst werden. HTML5 und das stetig wachsende Interesse an Responsive Webdesign dürfte aber über kurz oder lang valide Techniken bereitstellen.

    Ob nun der Einsatz einer nativen oder auch hybriden App sinnvoll ist, hängt nicht zuletzt vom Anwendungsfall und auch vom Budget ab. Welcher Anreiz wird dem Nutzer geboten sich noch eine weitere App für ein Shopsystem auf das Smartphone zu installieren? Zudem sollte auch der Wartungsaufwand nicht vernachlässigt werden, wenn neue Betriebssysteme hinzukommen und Versionssprünge dazu führen, dass einzelne Dienste nicht mehr verfügbar oder zumindest als deprecated gekennzeichnet sind.

    Du solltest an der Stelle also auch rein wirtschaftlich denken. Wenn die Besucherzahlen bzw. die Conversions und vor allem der Deckungsbeitrag durch mobile Nutzung kontinulierlich steigen kannst du sicher später immer noch auf eine App umsteigen, denn dann hast du auch eine entsprechend große Nutzerschaft, die gleich darauf zugreifen kann – insofern die App Killer-Features bereitstellt, die mit einer responsiven Version nicht zu realisieren sind.

  3. Erstmal herzlichen Dank für die ausführliche Antwort!

    Im ersten Schritt geht es nur darum, die Webseite “mobilfähig” zu machen. Auch um der Zubringerfunktion des M-Commerce Rechnung zu tragen, indem die Kunden sich vorab über Produkte und Preise informieren und übersichtliche Produktdetailseiten auf ihrem Smartphones erwarten.

    Insbesondere Navigation, Login, Bestellbuttons und Checkout sollen komfortabler werden. Ob dann später eine hybride App daraus wird, muss sich noch zeigen. Dazu wurde mir Phonegap empfohlen! Native Funktionen wie eine Merkliste, Preisalarm etc. werden frühestens in einer zweiten oder dritten Phase benötigt.

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